Sorgen, Chancen und ein guter Start!

Eine Business-Christmas-Story 2021
Namen und Abkürzungen sind rein zufällig gewählt – Prost! Die Situation: Wenige Tage vor der großen Lieferung, im Weihnachtswunderland herrscht eine seltsame Stimmung. Wo sonst immer emsiges Treiben im Schnee herrscht, sammeln derweil die Eichhörnchen ihren Wintervorrat vom tannenbedeckten Waldboden ein.


Der Alte und sein treuester Begleiter Knecht Ruprecht sind auf dem jährlichen Rundgang durchs Weihnachtsland. Ihre prachtvollen Gewänder sind, wie jedes Jahr um diese Zeit, sehr fein hergerichtet und alles scheint auch dieses Jahr wie am Schnürchen zu klappen.

An ihren Mienen jedoch ist eine ganz seltsame Stimmung ablesbar, die von Sorgen und allerlei Gedankenspielen geprägt ist. Wo sonst klirrende Kälte und dichter Schnee die Weihnachtsstimmung automatisch erzeugt, begleitet die beiden ein herbstlich warmer, säuselnder Wind und das Knirschen von Tannenzweigen unter ihren Schuhen. Nicht nur der Winter lässt auf sich warten, alles im Weihnachtsauslieferungsland ist ins Stocken geraten, denn die 2G+ Regel hat alles aufwändiger gemacht.

Als beide am riesigen Rentierstall ankommen, springt ihnen ein gewaltiger Zettel ins Auge: „Quarantäne“. „Achtung!“ – ruft Knecht Ruprecht, als dem Alten offenbar die Knie weich werden und er nur mit Mühe die Stalltür zum Halt finden kann. Noch mal gut gegangen. „Was sollen wir nur machen? In 14 Tagen ist das Fest …“ – die Stirnfalten des Alten waren noch nie so tief wie eben. „Wir haben doch alle Vorkehrungen getroffen, die AHA Regeln angewendet, alle geimpft und selbst neue Boxen als Homeoffice für alle eingeführt und nun ...“ – brüllt Knecht Ruprecht die Verzweiflung in den sternenklaren Abendhimmel. Aber eine Antwort bekommt er nicht. Nur von drinnen im Stall hören die beiden das Getrappel, Gescharre und das aufregende Prusten der Rentiere, als würden sie sagen wollen: „Lasst uns loslegen!“.

Nun gehen die beiden rüber zum Wichtelquartier. Die Schritte fallen schwer, der Schlamm klebt an ihren Stiefeln, wo sonst immer das leichte Klirren und Knarzen im tiefgefrorenen Schnee zu hören ist. Zuversicht sieht anders aus und gerne würden sie jetzt in der Kommandozentrale bei ihrem Lieblingsgetränk schlürfend die letzten Vorbereitungen für den Startschuss besprechen. So aber trotten die beiden ohne viel Hoffnung auf das Herzstück des Weihnachtslandes zu. Was haben sie nicht alles investiert! Die Automatisierung der Ablaufprozesse für eine sichere Lieferung „just in time“ und die Digitalisierung der Prozesse bis hin zu den Wunschzetteln der Kinder. Sogar strategische Partnerschaften für plattformbasierte Co-Innovationen und agile Methoden um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. „War das alles umsonst?“ – brabbelt einer der beiden vor sich hin.

Als sie die schon ziemlich strapazierten Stufen zum Eingang erklimmen, trauen sie ihren Augen nicht. Emsigkeit, quirliges Getöse und Geschäftigkeit, Stimmengewirr und Aufbruchstimmung, als wenn die Auslieferung schon in vollem Gange wäre. Da rauscht zufällig Olaf, der neue Anführer der Wichtelmannschaft, vorbei und blickt so ganz nebenbei in die erstaunten Gesichter der beiden Urgesteine. Mit einem Mal stoppt er und schreit, fast ein wenig respektlos: „Habt ihr es nicht mitbekommen?“ und setzt nach: „Weg da, die Neuen brauchen Auslauf und Übung!“. Mit einem dem Alter angemessenen Sprung bringt sich der Alte in Sicherheit. Ganz anders Knecht Ruprecht, der seine ehrfurchtsame Gestalt nicht in Sicherheit bringt, sondern sich mauernd postiert als würde er den Ton angeben wollen. Etwas abseits im Dunkeln, aber unüberhörbar, steht Rudi das Rentier, und kichert ob der eigenartigen Situation vor sich hin. Rudi ist das einzige Rentier, welches von der Quarantäne verschont wurde, weil er bei Ausbruch der 4. Welle gerade zum Rapport beim Alten verweilte und der, wie jedes Jahr, in einem feuchtfröhlichen Gelage ihres roten Lieblingsgesöffs endete. Zum Glück! Nur so konnten die Wichtel wenigstens auf die jahrelange Erfahrung eines ihrer erfahrensten Zugtiere zurückgreifen, um die große Weihnachtsauslieferung noch zu retten.
Derweil blicken die beiden Strategen in ein schier unendliches Areal wild umherfahrender Schlittenkolonnen. In einem ohrenbetäubenden Getöse von schniefenden, wiehernden, schnatternden und bellenden Gespannen üben unzählige Helferlein die schweren voll beladenen Schlitten zu ziehen, erproben Landemanöver auf selbstgebauten Kisten, die als Schornsteinattrappen dienen, oder erlernen Wendemanöver, um unfallfrei die kostbaren Geschenke transportieren zu können. Die Ungläubigkeit steht beiden derart ins Gesicht geschrieben, dass ihnen Olaf zuruft „So einen guten Skill-Mix hat nicht mal unser IT-Team“ und dabei voller Übermut grinst!

Während der Alte gerade über Traditionen und Emotionen des Weihnachtsgeschäftes nachdenkt, wird auf dem Antlitz von Knecht Ruprecht schon wieder ein breites Schmunzeln sichtbar. Die Katastrophe scheint durch teamorientierte Verantwortung noch einmal abgewendet werden zu können. Die Investitionen der letzten Jahre in digitale Abläufe, effizientere Methoden und Motivation zu Eigendynamik und Verantwortung in den einzelnen Bereichen wird gerade in dieser Zeit sichtbar. Aus Angst und Überraschung wird Stolz. Weil aber bei dem Alten immer noch keine Regung zu sehen ist, knufft Knecht Ruprecht seinen rechten Fäustling mit aller Wucht in die Seite seines Freundes. Der schreit vor Schreck und Schmerz so laut auf, dass im weiten Rund augenblicklich Stille einkehrt. Noch tief atmend, aber mit viel Zuversicht schauen die neuen Helferlein nun alle gebannt auf die Beiden.

Knecht Ruprecht hebt ehrfurchtsvoll seine Mitra an und lässt sie mit voller Wucht auf den Boden knallen. Ein Donner durchdringt die Stille. Während der Alte ganz ungewohnt noch nach Worten ringt, spricht diesmal Knecht Ruprecht mit honoriger Stimme: „Sorge und Hoffnung sind in dieser Zeit unsere täglichen Begleiter. Ihr, liebes Team, habt aus Sorgen Chancen erwachsen lassen, habt mit Mut und Zuversicht neue Gefährten für unser Weihnachtsgeschäft akquiriert. Ihr habt nicht für möglich gehaltene Veränderungen akzeptiert und in unsere Vorbereitungen integriert. Unsere Technik ist hochleistungsfähig und ihr habt keine Mühen gescheut, die außergewöhnliche Situation mit neuen Ideen zu meistern. Lasst es nun mit Bestleistung in der Auslieferung zum schönsten Weihnachtsfest werden, damit wir alle mit Zuversicht und gestärkt an die kommenden Herausforderungen gehen können. Die Menschen werden stolz auf euch sein!“ – sprach’s und ein tosender Stimmungsausbruch mit lautem „HoHoHo“, wie es Tradition ist im Weihnachtsland, beendet seine Ansprache. Währenddessen hat der Alte sein neues Tablet, welches Fiori und Cancer letztes Jahr auf seine Anregungen hin konfiguriert haben, aus der Tasche geholt. Mit einer dramaturgischen Pause zeigt er stolz die schönste aller Kacheln für alle sichtbar hoch und drückt mit einer ausschweifenden Gestik den „Bescherung-Start“. Jetzt ist kein Halten mehr – Weihnachten wird stattfinden! Und in diesem Augenblick fallen dann auch erste dicke weiße Flocken vom klaren Sternenhimmel…

In diesem Sinne gehen wir mit Anstand und Abstand, mit Mut und Zuversicht, vor allem aber mit Gemeinsamkeit und Geschlossenheit, ob im Team, im Verein oder in der Familie in die Zukunft. Erleben wir ein geruhsames, erholsames Weihnachtsfest und stärken wir uns für alle Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können!

Ihr geimpfter Wichtel
Steffen Schaar