Weihnachtsfest vor dem Scheitern!

Eine Business-Christmas-Story 2017 - Namen und Abkürzungen sind rein zufällig gewählt – Prost!

 

 

Die Situation: Im Weihnachtspostamt ist der Teufel los. In den letzten Jahren wurden wieder viele Familienzuwächse registriert. Der Boom hält an. Die Auslieferungszahlen im Postamt steigen immer weiter. Die pünktliche Lieferung der Pakete ist gefährdet.

Der Chef (der Alte) hat zur außergewöhnlichen Versammlung geladen. So wenige Wochen vor dem großen Showdown pfeifen es die Engelein von den Dächern: „Veränderungen stehen an, Mitarbeiterknappheit und viele neue „blinkende Dinger“ lassen so manchen an der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zweifeln“.  Das einzig Verlässliche ist die bewährte Unternehmenskultur. Gemütlich, süß duftend und mollig warm. Die Versammlungshalle ist weihnachtlich geschmückt und schon brechend voll. Traditionell haben sich die Abteilungen in ihren roten, gelben und grünen Blöcken versammelt, aber in einem Block sind die Lichter ausgefallen. Die fleißigen Rentiere liegen dahinter im duftenden Heu und haben es sich neben ihren Schlitten bequem gemacht. 

Der Alte kommt polternd auf die Bühne. „Hey, ihr da im Dunkeln (schwarzer Block), kommt nach vorn. Heute zeigt hier jeder sein Gesicht.“ – schreit er etwas übermotiviert ins Mikrofon. „Heute reden wir Klartext“ – betont er weiter sehr emotional und die Weggefährten spüren, dass nicht nur die 2-3 Becher des glühenden Saftes ihren Anteil an der aufgeladenen Atmosphäre haben. Wo vorher noch fröhliches Gemurmel herrschte, ist jetzt auf einmal angespannte Stille eingetreten. 

„Ich mache mir Sorgen, um unser Image. Wir stehen vor großen Veränderungen, müssen neue Wichtel integrieren und Gesetze umsetzen. Viel zu lange schon habt ihr in euren Abteilungen die Lage sondiert. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Zeit rennt uns davon und in den Geschichtsbüchern werden wir nicht die Ersten sein, die….“. Hier versagt seine Stimme. Irritiert schaut er zum grünen Block, wo ihr Anführer Cem sich erhoben hat. Ganz bewusst wird er nun laut und ruft ihm zu: „…wir brauchen machbare Kompromisse, setz dich mit Horscht und Martin zusammen und koordiniert eure Abläufe konstruktiv und zielorientiert“. Dann schaut er rüber zum gelben Block, nimmt seinen Becher und prostet dem Teamchef Gristian mit grollendem Ton zu: „Respekt!“, fügt aber mahnend hinzu, „und für alle... Weihnachten wird nicht verschoben, basta!“. Aus dem schwarzen Block erklingt ein schelmisches Gekicher, was nicht nur am roten hochprozentigen Schlummersaft liegen dürfte.

Der Alte macht eine lange Pause. Hier und da schnaubt ein Rentier. Rudi und seine neuen Kumpels, Hana und Fiori die erst letztes Jahr neu eingestellt wurden, blicken erstaunt in die vielen nachdenklichen Gesichter. Alle waren doch so optimistisch, dass die Herausforderungen mit großem Einsatz und Kompromissbereitschaft gemeistert werden könnten. Jede Investition, ja alle Projektvorschläge wurden genehmigt! Für das Wichtelversorgungswerk (Rente) wurde gekämpft und alle profitieren davon. Jetzt bekommen alle noch ein beW – besonderes elektronisches Wichtelpostfach – damit die Kommunikation noch optimaler, verbindlicher und schneller gehen kann. Sogar eine neue businessApp platform WRP – WeihnachtsRessourcePlanning - auf die alle direkt vom Schlitten aus, auf dem Schornstein oder gleich direkt nach der Bescherung ohne Zeitverlust schnell zugreifen können, wurde eingeführt. Ob Androide oder Obstler – jeder kann sein Lieblingsgerät benutzen. „BYOD“ – so nennt es Karle, unser Wichtel-Nerd.  

„Ihr wisst was wir alles getan haben“ führt der Alte nun stolz fort. Er gerät ins Schwitzen und nimmt einen kräftigen Schluck. Seine Stimme hat jetzt so einen wohlklingenden warmen Ton: „Nicht jeder war sofort begeistert. Ihr seid alle so fleißig und so besonnen, möglichst alles richtig zu machen. Die Menschen lieben uns und trotzdem...“ - jetzt zieht er seine Stirn in Falten und wird ernst – „die größte Veränderung steht uns in wenigen Monaten bevor“. Im Saal wird es laut. Ein Raunen und Zwischenrufe wie: „Was denn noch alles?“ - dringen bis zur Bühne hinauf. Derweil bringen fleißige Engelein das Abendbuffet herein. Der Duft von Feigen, Datteln, Lebkuchen, Marzipan und dem brodelnden Saftkessel lassen den einen oder anderen schon in Gedanken abschweifen. 

„Die DSGVO!“ schreit der Alte nun und es wirkt wie ein Paukenschlag. Die weihnachtliche Stimmung scheint vorbei, denn in den Blöcken wird nun heftig diskutiert und spekuliert. Die einen empfinden es als Panikmache, die anderen haben Respekt. Es betrifft alle, denn die Verantwortung wird nun neu geregelt werden müssen. Die personenbezogenen Daten, das „Gold der Weihnachtszeit“, werden nachweislich noch mehr Schutz und Sicherheit erhalten. Gut so, denn erst neulich meldete Zarah aus der dunkelroten Abteilung einen Zwischenfall, bei dem die Adressen von Millionen Kindern in Gefahr waren. 

Mit ehrfurchtsvoller Miene schaut er in hunderte gespannte Gesichter. Jetzt muss er sein Team einschwören, jetzt strategisch argumentieren, jetzt motivieren. Er holt tief Luft und erhebt seine tiefe Stimme noch honoriger als je zuvor: „Liebe Weihnachtshelfer, der Lohn unserer Arbeit sind die glücklichen Augen der Menschen“, die jetzt eingetretene Achtsamkeit genießt er in vollen Zügen. Seine Augen strahlen vor Enthusiasmus als er sagt: „Lasst uns gemeinsam die Chancen der vielen Veränderungen, Herausforderungen und neuen Vorgaben angehen. Lasst uns Vertrauen in die neuen Lösungen gewinnen, geht respektvoll miteinander um und seid gemeinsam ein Team“. Kaum hat er das „Team“ ausgerufen, da schallt aus dem riesigen Saal eine Stimme: „Wir schaffen das!“. Oh, nein, denkt der Alte. Nicht noch einmal. Da legt ihm von hinten einer eine Hand auf die Schulter. Er dreht sich um und Nikolaus steht hinter ihm. „Deine Investitionen werden sich lohnen, die Regeln werden greifen und wir werden auch nächstes Jahr wieder in unserer Jahresversammlung eine weihnachtliche Stimmung haben. Danke Alter“!

In diesem Sinne bleiben Sie schön optimistisch, begeistern Sie andere und nehmen den ein oder anderen Zweifler an die „symbolische“ Hand. Genießen auch Sie die freien Stunden und schaffen Sie sich eine warme vertrauensvolle Umgebung, um in aller Ruhe im Kreise Ihres Teams zu erholen und zu entspannen.

Ihr (beschwipster, aber zuversichtlicher) Stallbesucher
Steffen Schaar