DiALOG Magazin 2022 auf verschiedenen mobilen Endgeräten

Papiermangel? Umdenken? Digitalisierung ade?

„Keine Impfpflicht wegen Papiermangel“ - diese Pressemeldung Mitte März 2022 kommt mir so vor, als wenn mich eine Zeitmaschine ins 20. Jahrhundert zurückgeschleudert hätte. Wegen Papiermangel … 120 Millionen von Anschreiben ... scheitert im Kontext die Impfpflichtdebatte, das ist die Schlagzeile des Monats. Was? Wie? Jeder Deutsche hat doch durchschnittlich 2 Handys! Nicht genug: neulich wurde die luca App auch aus Akzeptanzgründen wieder eingestampft und die Bundesregierung führte noch vor wenigen Monaten ein Rohrpostsystem ein. „Noch so ein verfrühter Aprilscherz!!!“ – dachte ich zuerst, doch nachdem die Medienlandschaft die Begründung „Papiermangel“ immer wieder mehrfach durch den Äther jagte, war mir klar, „die meinen es ernst“. Irritation, Kopfschütteln und Zweifeln sind noch – sehr vorsichtig ausgedrückte – erste wohlgemeinte Gedanken und Regungen! Zorn und Wut beschreiben es aber besser…

Es gibt nur zwei Ansätze, um nicht komplett am eigenen Verstand zu zweifeln. Erstens: Hier wird mit einer fadenscheinigen Begründung versucht, sich doch noch aus der Schlinge der Impfpflichtdebatte zu befreien. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Oder zweitens: Die letzten zehn Jahre Digitalisierung waren viel zu kurz um auch nur annähernd die Gesellschaft, die Unternehmen, den Alltag und Verfahren auf digitale Abläufe umzustellen. In meinem Umfeld findet Papier kaum mehr statt, naja noch ein bisschen. Aber ich bin ja auch ein digital immigrant, Sie wissen was ich meine.

Jedoch sind beide nett gemeinten Erklärungsversuche irritierend und frustrierend. Zum einen ist es ein Armutszeugnis der Amtsträger, die Bemühungen der Digitalisierung für ihre Zwecke umzudeuten und zum anderen empfinde ich es als eine Ohrfeige für alle die, die mit GMV – mittlerweile mein Lieblingsakronym – versuchen diese, zugegebenermaßen äußerst agile und verrückte, Zeit zu meistern. Im Zeitalter des Wirrwarrs von Papierkram und digitalen Informationen ist das Verstehen und erst recht die Einhaltung von Regelungen und Vorschriften (digital und rechtskonform) nicht immer schlüssig. Wen wundert’s…
Und deshalb schlage ich vor, vielleicht auch etwas altersstar und naiv: Umdenken!

Denn es geht stetig voran, es gibt Rückschläge und disruptive Veränderungen, aber eines ist klar: „Wir, ja wir Menschen, gestalten den Weg in die papierlose Epoche“ – der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. „Und ja, ja, das wird noch dauern,“ denken Sie jetzt wahrscheinlich auch. Klar, aber nicht loszulaufen oder immer neue Gegenargumente ins Spiel zu bringen, ist ausgelutscht. Vor allem aber sollten wir nun endlich aufhören, immer wieder andere - bloß nicht ich - als „zuständig“ zu erklären oder vorzuschieben. Wir müssen uns verantwortlich zeigen, für das was im Alltag, im Umfeld und ja generationsübergreifend digital werden kann und muss. Es wird geschehen! Denn immer noch sind wir, Deutschland, in der Digitalisierungsstatistik weltweit auch 2022 von 140 Ländern fast ganz am Schluss zu finden, ja sozusagen im Mittelalter steckengeblieben.

Und keiner schämt sich für die Schlagzeile zum Thema der Impfpflichtdebatte. Ich schon! In Ausreden und Jammern sind wir nämlich Weltspitze! Aber um es dann wieder ins positiv wohlgemeint rechte Licht zu setzen: Ich vermute dahinter nur eine eben gerade rechtzeitig gefundene Ausrede, um sich alle Optionen für den entscheidenden Tag offen zu halten. „Also bleib locker, Alter!“ – rede ich mir ein, schaue auf meinen Schreibtisch und denke noch: „Die Digitalisierung findet statt, mit mir garantiert!“, da blinkt mein Handy auf und zeigt eine neue Meldung an... Bleiben Sie gesund!