DiALOG Magazin 2022 auf verschiedenen mobilen Endgeräten

Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Mit diesem epochalen Spruch hat ein einzelner Herr vor mehr als 30 Jahren Geschichte geschrieben. Gut gemeint ging es bei ihm nach hinten los, wie die Historie gezeigt hat.
Eigentlich sollte doch klar sein, die Veränderung, heute der agile Modus, die Transformation sind gewollt, gewünscht, ja Gebot der Stunde! Leider gibt es immer wieder mal so Tage, da „läuft das Wasser nicht den Bach hinunter, sondern rauf“ – wie der Volksmund so schön sagt. Und dies war vor knapp sechs Wochen der Fall:  Eine der etablierten Business Social Media Plattformen kündigte die Abschaffung der Gruppenfunktionalität an – eine der wichtigsten Netzwerkeigenschaften über die Menschen im Business in ihren Bereichen, Branchen, Themen, Fach- und Sachgebieten gezielt Partner, Experten und Austausch finden.

Aus einer Business Netzwerk Plattform soll nun (noch) eine Recruiting Plattform werden, so jedenfalls interpretiere ich die folgende Antwort auf das Warum: „… in Zukunft noch stärker auf die Unterstützung unserer Mitglieder bei ihrer beruflichen Orientierung konzentrieren“. Auswirkung? Wie damals vor 30 Jahren laufen die Menschen schaarenweise weg bzw. kündigen die Partnerschaft. Da hat man sich eindeutig selbst ins Knie geschossen! Dieses Beispiel macht mich sprachlos, traurig, wütend.

Wie konnte das passieren? Auch ich war über zehn Jahre sehr aktives Netzwerk(Gruppen)mitglied. Und nein, ich habe keine Werbung gemacht, da es für mich eine Informationsdrehscheibe, eine Austauschplattform und ein Netzwerk(Partner)pool im Geschäftsleben war. Und ja, der Missbrauch im Sinne von Produkt-/Eigenwerbung ging nicht nur mir immer mehr auf die Nerven. Direkte Ansprache, ohne dass ich zugestimmt hatte (die DSGVO galt offensichtlich nicht für jeden), war mehr als nervend.
Und so kam es wie es immer kommt bei solchen differierenden Ansichten: „Die Rechnung wird ohne den Wirt gemacht.“ Falsche Schlussfolgerungen, fehlerhafte Interpretation der Sachlage bis hin zur existenziellen Entscheidung, die, so meine ich, für die Nutzung dieser Plattform z. B. im B2B-Bereich einen unwiederbringlichen Imageverlust bedeutet.

Die Parallele zur damaligen Geschichte fragen Sie jetzt? Ganz einfach: Damals wie heute geht es um Menschen, die mit Leidenschaft, Engagement und Werteorientierung ihre Aufgaben, ihre Persönlichkeit, ihr Netzwerk, ihren Alltag gelebt und sich arangiert haben. Veränderungen sind gut, aber Rückschritt zu längst verstaubten Ansichten führt zur kompletten Verweigerung. Aufschrei und Wegdrehen sind dabei nur die emotionalen Ausbrüche. Schlimm finde ich, wenn eine gewichtige Anzahl an Stimmen nicht in den Veränderungsprozess integriert wird oder der kommerzielle Schatten alles Wertvolle zunichtemacht. 

Wie schon damals zeigt sich auch an diesem Szenario von heute, dass sich die Menschen nicht „klein machen“ bzw. ihre Wertekultur aufgeben werden. Im Gegenteil, sie werden sich dem „Change“ zuwenden. Umdenken ist der erste Schritt dazu. Und ich füge hinzu: „Lasst aus Kleingeist Weitsicht werden“!

In diesem Sinne, packen wir‘s an!
Ihr lebendiger Netzwerker
Steffen Schaar